Hippie-Lachs oder letzte Vermählung

I

Allein die Szene. Die Haargräten lang und hängend, ausgelatschte Basketballtreter, bis ins Koma auf Coolness getrimmt, gibt er ein Bild, an das sich jeder und jede erinnert. Damals, ja damals. Als noch der kleinste Bissen Cannabis kreiste. Von Rauchmund zu Rauchmund. Worte, die bedächtig die Spur wechselten. So friedlich alles, so

Friedlich abhängend. Wie es Weidenäste tun, wenn sie nicht wissen, wohin mit der Aufgestauten Langeweile. Oder die langsam einen Samsontabak drehenden Finger.
Die nur eines wollten: Ruhe, diese samtfarbene Ruhe, wie sie ein kaputter
Abendhimmel verströmt, wenn er zwischen wildgelegten Elektroleitungen abhängt.

Ein Idylle war das. Mit den sagenhaften Särgen aus Vietnam, die heute noch
Jeder Hippie-Veteran hochhält. In das Grab seiner Anonymität trägt. Oder sich drin
Verbeißt, einen guten Schluck Grappa auf dem Gaumen und nichts als nichts
Im dritten Gebiss. Gegen den Strom gespült, zurück zu den alten Laichplätzen,

Wo der gute, alte Braunbär wartet. Tapsig, inmitten geknüllter Coladosen
Nach Dosenfleisch sucht. Irgend etwas ist anders geworden. Und das ich,
Diese unverstandene dritte Person, pendelt sich ein zwischen Laich
Und gefressen-werden. Ja, so war das. 


II

Man wollte hinaus. Damals. Das Diffuse
Fest im Blick. Als man hinausschwamm. Die Route weder falsch
Noch richtig, sondern einfach da. Alles Abstruse

War einem vertraut. Jeder Schluck oder Joint war die Muse,
die man suchte, ohne je eine zu finden. Obwohl man fast jede dafür
Hielt. Viel zu viel gewollt. und immer nur die nächste Tür
Vor der Nase. Eine kleine Bluterguss-Oase statt Schmuse-

Varianten für einen, dem der Strom während der Selbstinszenierungs-
Kür davonschwimmt. Hin zu den Braunbärenfängen, die warten.
Geduldig wie das sich hinduckende Moos. Die tausend Arten
Der Geduld. Eine Anleitung für einen Verführungs-

Künstler, wenn man so will. Einer, der einfühlsam sülzt
und doch nur wartet mit seiner zuschlagenden Pranke
Zupackt. Mitleidlos wie das Eis, das einfach nur schmilzt.


III

Wenn man hängt an viel zu groß geratenen Kanülen.
Die noch etwas Leben durch das Gefäßsystem spülen
Im Warten auf das Klappergestell mit der Sense. Das daneben
Steht freundlich im weißen Kittel, einen Tropfen Weiterleben

Zwischen Zeigefinger und Daumen, während der Lebensfilm noch
Einmal abläuft. Bilder, wie in einem Quecksilberbad fixiert und doch
Rasend. Ein ballwerfendes Kind, lockig, eine bloß bloß dahockende Frau,
Heulend. Kurz: Die Zeiten am Fluss. Die Weiden voll von fliehendem Tau

Nicht weniger kitschige Bilder einen Atemspalt später: Der sich ins Koma
Saufende Alte vom Berg mit dem endlosen Du-kannst-mich-mal-Thema

Alles Bilder, die ihren Rahmen suchen wie das Leben den Tod.

Kardorfer &

Noch einmal zur Projektionsabsicht >>>
 

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